"Unbekannte Bilder: Sächsisches Lokalfernsehen in der frühen Nachwendezeit"

Zwischenergebnisse eines Pilotprojektes der SLM

Die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) war am Dienstag, dem 29.05.2018 mit einer Veranstaltung in der Vertretung des Freistaates Sachsen beim Bund in Berlin zu Gast.

Diese Fachveranstaltung widmete sich den Ergebnissen eines Pilotprojektes der SLM zur Digitalisierung und archivarischen Erfassung von Programminhalten des lokalen Fernsehens in Sachsen der frühen Nachwendejahre. Im Rahmen des Projektes wurde eine kleine Auswahl der Programme des sächsischen Lokalfernsehens der frühen 1990er Jahre digitalisiert, für eine Langzeitarchivierung vorbereitet. Mehrere Gutachten, die dabei erarbeitet wurden, konnten verdeutlichen, dass diese Materialien als audiovisuelles Erbe zu betrachten und somit dem allgemeinen Kulturgut zuzurechnen sind.

Tatsächlich sind die Programme der lokalen Fernsehsender aus den 1990er Jahren auch von kulturhistorischem Wert, handelt es sich doch um Berichte, die so nah an den Regionen und den Menschen waren und sind, wie kein anderes journalistisches Medium. Die Programme dokumentieren detailliert lokale Veränderungen, auch jenseits der Ballungsräume, und machen deutlich, mit welchen umfassenden Transformationen die Bevölkerung in Ostdeutschland zurechtkommen musste und noch immer muss. Unterstützt wurde diese Ansicht durch ein Impulsreferat von Frank Richter, welcher 1989 in der Bürgerbewegung aktiv war und sich als kommunikativer Vermittler verschiedener Erscheinungsformen des Vereinigungsprozesses sowie als politischer Bildner engagiert hat.

Im Rahmen der Fachveranstaltung wurde beispielhaft eine Auswahl des Materials vorgestellt und damit unterstrichen, dass das filmische Material – so es adäquat aufbereitet und eingeordnet wird – viel zum gegenseitigen Verständnis, zur politischen und kulturellen Bildung sowie zur Würdigung der Lebensleistung Ostdeutscher beitragen kann.

Unterdessen hat die Einschätzung, dass es sich bei dem Material des lokalen Fernsehens um erhaltenswertes Kulturgut handelt, auch in Regierungsprogrammen und Koalitionsvereinbarungen Niederschlag gefunden - verbunden mit der Aufgabe, das Material zu erhalten, zu archivieren und zugänglich zu machen. Trotz dieser Aufgabenstellung ist das Engagement in dieser Richtung eher zögerlich.

Diese Veranstaltung hat sich deshalb erneut darum bemüht, das Thema sichtbar zu machen, einen öffentlichen Raum für Diskussionen zu schaffen und ein breites Fachpublikum anzusprechen.

Einladung und Programm(PDF, 131 kB)