Digitale Archivierung von analogem Fernseh- und Filmmaterial

Audiovisuelle Zeitzeugen

Im Jahre 2014/2015 führte die SLM ein Pilotprojekt zur Digitalisierung und Langzeitarchivierung durch, das die Erhaltung und Sicherung von analogem Filmmaterial des lokalen sächsischen Fernsehens aus den frühen Neunzigerjahren zum Ziel hatte. Mit der Realisierung beauftragt wurde die Technische Universität Chemnitz unter Leitung von Prof. Dr. Maximilian Eibl vom Fachbereich Medieninformatik. Die TU Chemnitz entwickelte ein Verfahren, mit dem das Material digitalisiert, verschlagwortet, mittels automatischer Wort- und Bilderkennung thematisch eingeordnet und in eine Metadatenbank eingearbeitet wurde. Gerade das analoge Material aus der Nachwende- und damit Gründungszeit des Lokal-TV soll für die kommende Generation erhalten bleiben – und das nicht auf Videokassetten, denen eine Lebenszeit von höchstens 25 Jahren vorhergesagt wird.

Prof. Dr. Chris Wahl, Filmuniversität Babelsberg “Konrad Wolf”, begleitete das Projekt im Rahmen eines Gutachtens zur gesellschaftlichen Relevanz des Materials. Die dabei erzielten Ergebnisse dienen den Fernsehveranstaltern für eine weitere journalistische Verwendung im Fernsehprogramm und darüber hinaus für die wissenschaftliche Aufbereitung und für crossmediale medienpädagogische Projekte.

Prof. Dr. Chris Wahl resümiert:

Zum einen spiegelt sich hier Alltags- und Lokalgeschichte wider: Wenn es zum Beispiel um die Dokumentation des Stadtbildes, Belege für aussterbende Bräuche oder lokale Meinungs- und Stimmungsbilder geht, sind die Aufnahmen aussagekräftig. Zweitens dokumentieren sie Zeitgeschichte – sei es die Wiedervereinigung als weltgeschichtliches Ereignis, die Nachwendejahre oder die Weltpolitik im Alltag der Provinz. Drittens belegt das Material Mediengeschichte: Wir erleben das Verhältnis von Lokalpresse und Lokalfernsehen, Lokal-TV-Ästhetik, Formatbesonderheiten und vieles mehr.

Weitere Informationen: “themen + frequenzen”(PDF, 190 kB)