Auch 2009 standen wieder innovative und herausragende Medienprojekte im Mittelpunkt des Preises. Von insgesamt 33 Bewerbungen honorierte die Jury die jeweils drei Besten in den Kategorien "Schülerradioprojekte", "schulische Projekte" und "nichtschulische Projekte" mit Preisgeldern von insgesamt 15.000 Euro. Am Wettbewerb haben Schulen, Vereine und Einrichtungen aus ganz Sachsen teilgenommen.
Aufzeichnung: - SLM Medienpreis 2009 (26 Mb - mittlere Qualität) - SLM Medienpreis 2009 (91 Mb - gute Qualität)
In der Kategorie "Schülerradio" wurde "Radio Gohlis" der Mittelschule Leipzig-Gohlis unter der Leitung von Vincent Hammel als bestes Projekt (dotiert mit 1.250 Euro) ausgezeichnet. Die Aktualität der Beiträge, die schnelle Übertragung der Sendungen auf Handys und mp3-Player der Schüler und die Einrichtung der Beiträge als Podcasts machen das Projekt besonders wertvoll.
Den 2. Platz (750 Euro) belegte das Projekt "SEVEN HILLS – DAS SCHULRADIO" unter Leitung von Birgit Braumandl von der Mittelschule "Dr. Theodor Neubauer" in Kirchberg. Das Projekt wurde mit Unterstützung des SAEK Zwickau realisiert. Den 3. Platz (500 Euro) in der Kategorie "Schülerradioprojekte" erreichte Philipp Golke von der Max-Klinger-Schule Leipzig mit dem Projekt "Max.Radio – Direkt – Weg vom Steuer – Warum alkoholisiertes Autofahren gefährlich ist".
Die Gewinnerin in der Kategorie "schulische Projekte" ist Annett Ullrich vom Bildungszentrum Püchau. Sie erhielt ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro. Die Preisträgerin führte mit Grundschülern und der Unterstützung des SAEK Leipzig Projekttage zum Thema "Werbung: Herstellung eines Werbespots" durch. Platz 2 (dotiert mit 2.000 Euro) ging an Bärbel Drunk, Kathrin Flint und Eberhard Walkowiak von der Förderschule für Erziehungshilfe "Hans Fallada" aus Weißwasser für das Projekt "Das Tierhäuschen – Ein Puppentheater/Hörspiel nach einer Geschichte von Samuel Marschak". Andrea Rook belegte mit Schülern vom Romain-Rolland-Gymnasium Dresden den 3. Platz (1.250 Euro) für den Audiobeitrag "Entdeckungsreise Friedliche Revolution 1989/90", in dem Schüler Zeitzeugen zur Geschichte Dresdens interviewen.
Die Redaktion "Granatäpfel – JUNGES RADIO" unter der Projektleitung von Anne Tews der Radioinitiative Dresden e.V. erhielt für die Sendung "Kinder aus aller Welt" den 1. Platz (dotiert mit 3.000 Euro) in der Kategorie "nichtschulische Projekte". Platz 2 (2.000 Euro) belegte das Computerspiel-Projekt "Die SpieL.E.tester" vom Verein zur Förderung der Medienforschung und -ausbildung in Leipzig e.V. unter Leitung von Claudia Philipp und Anja Schweiger. Den 3. Platz (1.250 Euro) erreichte Gabriele Kontor vom Hammerweg e.V. Dresden mit dem Projekt "Schlusspunkt – Alltag in der JVA Dresden".
Der Jury gehörten an:
- Beate Angermann ((Leiterin Kreismedienstelle Leipziger Land)
- Thomas Kurth (Stadtmedienstelle Chemnitz)
- Andreas Melzer (MPZ Mittelsachsen)
- Ursula-Marlen Kruse (Mitglied des Medienrates der SLM)
- Carola Lauterbach (Sächsische Zeitung)
- Uwe Preuss (Mitglied der Versammlung der SLM)
Die Preisträger
Kategorie: Schülerradioprojekte
1. Platz - 1.250 Euro -
Projekt: Radio Gohlis Einreicher: Mittelschule Gohlis Leipzig Leitung des Projektes: Vincent Hammel
Begründung: Ich zitiere einen Projektteilnehmer: "Ein Schlafzimmer wurde zum Radiostudio umfunktioniert, so dass Schnittplatz und Mikrofone vorhanden waren. Täglich fand eine Redaktionssitzung statt. Es wurden Ideen gesammelt, Beiträge zusammengestellt, so dass am nächsten Morgen die Sendung fertig war." Nicht nur das außergewöhnliche Engagement der Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Aktualität der Beiträge und die Wahl der Distributionswege machen das vorliegende Projekt besonders wertvoll. Die Idee selbst ist genauso genial wie einfach. Während einer Schulfahrt entstanden täglich kurze Sendungen mit aktuellen Inhalten aus dem Tagesgeschehen. Bereits am nächsten Morgen übertrug man die Beiträge auf Handys und mp3-Player der Schülerinnen und Schüler und stellte die Inhalte als PODCAST ins Internet. Natürlich spielt der Spaßfaktor und die Phantasie der Redakteure und Sprecher eine entscheidende Rolle. Das Projekt gefiel den Schülern und Lehrern so sehr, dass sie es auch nach der Schulfahrt fortsetzten. So entstanden und entstehen weitere Produktionen aus dem aktuellen Schulleben. Besonders beeindruckend wertete die Jury die aktive mediale Aufbereitung von Alltagsthemen aus dem Schulleben und die Verbreitung der Ergebnisse durch moderne Kommunikationssysteme. Ich bin mir sicher, dass die Produktion der Sendungen allen Mitwirkenden nicht nur großen Spaß bereitet, sondern dass sie auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung einen enormen Zuwachs zu verzeichnen haben. Und dieser Effekt lässt sich nicht einmal mit Gold aufwiegen.
2. Platz - 750 Euro -
Projekt: "SEVEN HILLS" – DAS SCHULRADIO Einreicher: Mittelschule "Dr. Theodor Neubauer" Kirchberg Leitung des Projektes: Birgit Braumandl
Begründung: Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 10 gestalten in fünf Redaktionsteams ein abwechslungsreiches Pausenradio. Programmelemente wie Hörfunkbeiträge und Moderationen gehören zum täglichen Programm und durchbrechen so die Reduzierung des Pausenradios auf eine musikalische Beschallung. Oft stehen Studiogäste Rede und Antwort. Oder es werden Interviews oder Umfragen zu aktuellen Themen gesendet. Einen besonderen Stellenwert erfährt das Projekt durch die Komplexität der erworbenen Kenntnisse für seine "Macher". Zunächst setzen sie sich mit journalistischen und produktionstechnischen Grundwissen auseinander. Später, bei den Produktionen der Sendungen selbst, lernte man kritisch zu analysieren und zu werten, im Team zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Allein der Umstand, dass täglich über eine schuleigene Lautsprecheranlage gesendet wird, verdeutlicht die enorme Einsatzbereitschaft der Projektteilnehmer. Medienpädagogische Projekte verfolgen nicht vorrangig das Ziel, Endprodukte zu entwickeln, die sich durch unbedingte Professionalität auszeichnen. Bei dem beschriebenen Schülerradio ist jedoch zu erkennen, dass neben der Entwicklung wichtiger Basiskompetenzen bei den Teilnehmern ein Medium entstanden ist, dass aus den eingereichten Wettbewerbsbeiträgen herausragt.
3. Platz - 500 Euro -
Projekt: Max.Radio – Direkt – Weg vom Steuer – Warum alkoholisiertes Autofahren gefährlich ist Einreicher: Max-Klinger-Schule Leipzig Leitung des Projektes: Philipp Golke
Begründung: Es war für die Jury äußerst spannend zu erfahren, wie sich die Projektteilnehmer sehr intensiv mit dem gewählten Thema beschäftigten. Zu Recherchezwecken nutzte man eine Vielzahl der unterschiedlichsten Medien, um ein möglichst objektives Bild zu zeichnen. Zielstrebig und mit enormer Ausdauer arbeitete man am angestrebten Endergebnis. Die Schülerinnen und Schüler trafen sich selbst an Wochenenden und nach dem Unterricht. Sie stellten ihre Textentwürfe zur Diskussion und bewerteten diese, sprachen Moderationen ein, besuchten viele Originalschauplätze und sprachen mit Interviewpartnern. Aus diesem Material entstand der Wettbewerbsbeitrag. Es galt viel zu lernen: beginnend von den theoretischen Grundlagen einer Radioreportage, der Auswahl von Inhalten bis zur Handhabung von Mikrofon und Schnittpult. Das Projekt ist, bedingt durch viele Faktoren, erfolgreich verlaufen. So gelang es, Anknüpfungspunkte an den Alltag und die Lebenswelten der Beteiligten zu finden, ein Team von interessierten Schülerinnen und Schülern zu formen, das Selbstbewusstsein und die Arbeitsfreude wie auch soziale Kompetenzen zu entwickeln und zu stärken. Wertvoll macht dieses Projekt gerade die Arbeit im Team, eine Arbeit, die sicher den Beteiligten nicht immer leicht gefallen ist. Auf dem Weg vom gewählten Thema zur fertigen Sendung liegen jedenfalls viele Arbeitsschritte. Zu wissen, wie ein Beitrag gemacht wird und was es dabei alles zu bedenken gibt, ist daher ein guter Einstieg in den Radiojournalismus und für die Beteiligten eine insgesamt sehr wertvolle medienpädagogische Arbeit.
Kategorie: Schulische Projekte
1. Platz - 3.000 Euro -
Projekt: Projekttage zum Thema "Werbung" – "Herstellung eines Werbespots" Einreicher: Bildungszentrum Püchau - Grundschule in freier Trägerschaft Leitung des Projektes: Annett Ullrich
Begründung: Werbung ist überall, entkommen kann man ihr definitiv nicht. Jeder weiß, dass Werbung nur funktioniert, wenn sie gut gemacht ist. Auch daran kann Medienkompetenzerziehung anknüpfen. Durch spielerische Aktionen, die zu Kommunikation und Kreativität anregten, lernten Schüler einer Grundschule, Werbung zu analysieren und selbst kleine Werbespots zu produzieren. So lernten sie die Werbewelt intensiver kennen und entdeckten sicher auch den einen oder anderen Werbetrick. Dabei wurde auch klar, dass unsere Schüler selbstverständlich Werbung nutzen. Schließlich verfügen die meisten über ein eigenes Taschengeld. Und Produkte auf modernstem Niveau, Rabattaktionen und Artikeltausch- oder Rückgabemöglichkeiten durften nicht fehlen. Schön, dass hier Kinder nicht nur den Eltern zum Kauf eines Lebensmittels oder neuen Autos raten, sondern sich auf ihre Lebenswelt besonnen haben. In den Schulen wünschen wir uns immer wieder die Zulassung von Werbung und Sponsoring. Was ist daran schädlich, wenn ein modernster Fachunterrichtsraum den Namen eines großen Konzerns trägt? Die entstandenen Werbespots von Schülern einer 4. Klasse sind jugendlich-einfallsreich, ansprechend und könnten quasi sofort auf den Sender gehen. Mit Sicherheit hat den Schülern diese Projektwoche, zudem noch mit guter Unterstützung externer Partner, viel Spaß gemacht und als angenehmen Nebeneffekt zu Wissens- und Kompetenzzuwächsen geführt.
2. Platz - 2.000 Euro -
Projekt: Das Tierhäuschen - Ein Puppentheater/Hörspiel nach einer Geschichte von Samuel Marschak Einreicher: Förderschule für Erziehungshilfe "Hans Fallada" Leitung des Projektes: Bärbel Drunk, Kathrin Flint, Eberhard Walkowiak
Begründung: Trotz immer neuer Möglichkeiten im Medienbereich, trotz unendlich vieler bewegter Bilder, die Tag für Tag auf uns einstürmen, ist unter Jugendlichen, wie die eingereichten Projekte zeigen, das Hörspiel noch immer beliebt und wie man schon ahnt, ein gutes Mittel der erfolgreichen Medienerziehung in der Schule. Hörspiele regen die Phantasie der Schüler an. Und neben der spannenden Unterhaltung werden den Schülern en passant soziale Kompetenzen vermittelt, insbesondere bei Fabeln. So lernten die Schüler am Beispiel eines Tierhäuschens, heute würden wir sagen, einer WG, die es bezogen hat, dass sich gegenseitiges Vertrauen, Hilfe, Arbeitsteilung und Umsicht als ausgesprochen vorteilhaft erweisen. Beim Anhören merkte man deutlich, dass es den Schülern Spaß gemacht hat und mit Sicherheit ist das mit dem Hörspiel verbundene Puppentheater eine tolle Ergänzung für die Aufführung des Stücks. Die Schüler werden ihr eigenes Verhalten bewusst reflektiert und hinterfragt haben, denn wenn sich die kleineren und von Natur aus unterlegenen Tiere mit Intelligenz, Gemeinsinn und dem Willen zu gewinnen, erfolgreich behaupten, dieses Bildnis spornt an. Das Fernsehen ist heute flächendeckend und ständig gegenwärtig. Es besetzt einen nicht unbedeutenden Teil unserer Freizeit, es werden riesige Budgets und physische und geistige Energien für Produktionen benötigt. Dazu ein – wenn auch verschwindend kleines – Gegengewicht mit alternativen Medien aufzubauen, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Bei der Arbeit mit dem Hörspiel erfuhren die Schüler, dass Medien allein schon durch die Sprechertexte manipuliert werden können. Nun werden sie Medienprodukte bewusster konsumieren. Der Erfolg in der Schule zeigte sich durch die Nachfragen weiterer Schüler nach dem Neigungskurs, die gelungene Zusammenarbeit mit den Eltern, die bessere Achtung der Lehrer durch die Schüler, verbesserte Lerneinstellungen und positive Verhaltensänderungen der Schüler untereinander.
3. Platz - 1.250 Euro -
Projekt: Entdeckungsreise Friedliche Revolution 1989/90 – Schüler interviewen Zeitzeugen zur Geschichte Dresdens Einreicher: Romain-Rolland-Gymnasium Dresden Leitung des Projektes: Andrea Rook
Begründung: Medien genießen hohe Attraktivität, sie wecken Interesse, Neugier und Lust, Medien selbst zu gestalten. Kinder und Jugendliche erleben mit einem Mikrofon in der Hand, auf der Straße von Erwachsenen plötzlich ernst genommen und als Gesprächspartner anerkannt zu werden. Die Schüler erleben eine Vermittlung des Wissens, das notwendig ist, um kompetent mit Medien umzugehen. Eine lebendige Demokratie lebt vom Vermögen ihrer Bürger, Medien produktiv zu nutzen. Der kompetente Umgang mit Medien ist dabei unerlässlich, das politische Geschehen wird schließlich vor allem über die Medien wahrgenommen. Das gelang beispielhaft in einem Dresdener Projekt. Das Projekt vermittelte den Schülern Einsichten in das Leben in der DDR und die friedliche Revolution 1989 durch Zeitzeugenbefragungen und eine Kooperation mit weiteren Einrichtungen Dresdens. Die entstandenen Hörbeiträge sind durch die Auswahl der Interviewpartner im Querschnitt repräsentativ für einen Blick in den Alltag eines nicht mehr existenten Staates. So verschieden die Lebenswege auch damals waren – am Ende kommt deutlich heraus, dass die DDR durch ihren politischen Kurs, dazu den dauernden Mangel an für uns heute ganz gewöhnlichen Produkten und die Einschränkung der Reisefreiheit, aber auch die Einschränkung der freien Meinungsäußerung untergehen musste. Heute bestimmt im Gegensatz dazu der täglich in verschiedenen Medien wahrnehmbare Konflikt zwischen dem Persönlichkeitsschutz und der Bewahrung einer Individualität auf der einen Seite und der Pressefreiheit auf der anderen Seite unser Leben. Auch das stellt die Medienerziehung vor große Aufgaben. Das Projekt "Entdeckungsreise Friedliche Revolution 1989/90 – Schüler interviewen Zeitzeugen zur Geschichte Dresdens" zeichnet sich durch die gut aufbereiteten authentischen Audiobeiträge und den erkennbaren Lerneffekt der Schüler, sowie die gut organisierte Projektgestaltung aus.
Kategorie: Nichtschulische Projekte
1. Platz - 3.000 Euro -
Projekt: JUNGES RADIO, Redaktion "Granatäpfel", Sendung "Kinder aus aller Welt" Einreicher: JUNGES RADIO – Radioinitiative Dresden e.V. Leitung des Projektes: Anne Tews
Begründung: Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind leider in unserem Alltag fast zur Normalität geworden. Und ich frage mich immer wieder, woher denn die vielen Vorurteile gegenüber anderen Religionen, Traditionen oder Hautfarben kommen. Beobachtet man kleine Kinder unterschiedlichster Herkunft, so kann man immer wieder erstaunt feststellen, dass sie – selbst bei unterschiedlichen Muttersprachen – keinerlei Berührungsängste haben und völlig unbefangen miteinander umgehen. Die logische Schlussfolgerung daraus ist, dass man offenbar nicht früh genug damit anfangen kann, sich anderen Kulturen und Traditionen anzunähern. Und zweitens wissen wir, dass viele der Vorurteile, die uns im Alltag begegnen, aus Unwissenheit entstanden sind. Also muss man sich informieren, muss wissen, wie der jeweils andere lebt, welche Regeln und Traditionen sein Leben bestimmen. Das dachten sich auch Schülerinnen und Schüler einer Dresdner Grundschule. Sie wollten sich in einem Projekt diesem Thema nähern und über Gleichaltrige aus anderen Ländern Informationen beschaffen, die sie dann in einem Radiobeitrag verarbeiten. Unterstützung erhielten sie von Institutionen, die die Integration von Migranten unterstützen, so z. B. dem Ausländerrat der Stadt Dresden. Neben dem Erwerb notwendiger medientechnischer Fähigkeiten war es Ziel des Projektes, die Verantwortung der Teilnehmer für gesellschaftliches Miteinander, für Toleranz und Verständnis zu stärken – das alles natürlich in kindgerechter Form. Im Ergebnis entstand die Radiosendung "Kinder aus aller Welt", die der Jury einen ersten Preis wert war.
2. Platz - 2.000 Euro -
Projekt: Die SpieL.E.tester – Computerspiele als mediales Ereignis Einreicher: Verein zur Förderung der Medienforschung und -ausbildung in Leipzig e.V. Leitung des Projektes: Claudia Philipp, Anja Schweiger
Begründung: Computerspiele sind von Begin an umstritten. Besonders im Zusammenhang mit spektakulären Gewalttaten - denken wir an den Amoklauf in Schulen – werden sie oft einfach nur verdammt. Dabei sind sie aus unserer Alltags-Freizeitkultur – vor allem bei Kindern und Jugendlichen - nicht mehr wegzudenken und auch als Wirtschaftsfaktor äußerst bedeutsam. Allerdings hat die wahnsinnig große Anzahl dieser Spiele auch große Niveauunterschiede zur Folge. Die Bandbreite reicht vom sinnvollen Lernspiel zum so genannten "Ballerspiel". Ein ideales Medium für medienpädagogische Betätigung also, das zu kritischer Analyse anregt. Dies dachten sich auch Schülerinnen und Schüler aus Leipzig und wollten noch eins draufsetzen. Sie wollten die Spiele "bewerten" und diese Bewertung auch anderen Interessierten nahe bringen. Natürlich tauchten bei der Betätigung mit diesen Spielen zwangsläufig auch Diskussionen zu deren Wirkung auf den Spieler auf, gerade bei der nicht geringen Zahl von so genannten Gewaltspielen ist dies unumgänglich. Wichtig war den Projektbetreuern vor allem, den 11- bis 15jährigen Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen und nicht mit dem pädagogischen Zeigefinger. Nur so konnten die Schülerinnen und Schüler wirklich eigene Analysen und Bewertungen vornehmen und waren so auch eher bereit, ihr eigenes Computerspielverhalten selbstkritisch zu hinterfragen. Im Ergebnis wurden sie befähigt, Medienangebote in Form der PC-Spiele und ihren eigenen Umgang damit zu beurteilen. Das Besondere an diesem Projekt war, dass man mit den Ergebnissen der "Bewertung" der Spiele auch einer Interessierten Öffentlichkeit Informationen in Form einer Spiele-Ranking-Liste liefern wollte. So wurden zunächst im eigenen Umfeld Eltern, Lehrer und Mitschüler einbezogen, dann auf größeren Events, wie z.B. der Leipziger Buchmesse ein größerer Interessentenkreis. Die Rankingliste wurde in der Presse veröffentlicht und findet sich auf einer eigens dafür entwickelten Homepage. Zukünftig ist geplant, das Projekt über die Bundszentrale für Politische Bildung an bundesweit agierende Spieltester anzugliedern.
3. Platz - 1.250 Euro -
Projekt: "Schlusspunkt" - Alltag in der JVA Dresden Einreicher: Hammerweg e.V. Leitung des Projektes: Gabriele Kontor
Begründung: Wer von uns weiß schon Bescheid über das Leben hinter Gittern. Unser Bild ist medial geprägt entweder von US-amerikanischen Filmen oder von Sensationsnachrichten über Gewalt und Exzesse im Gefängnis. Wie normal kann es in einer JVA eigentlich zugehen? Dieser Frage haben sich unsere ersten Preisträger angenommen. Welche Wünsche und Hoffnungen haben die Insassen einer JVA, und vor allem - was kommt nach der Strafverbüßung? Ich gebe zu, ich war zunächst irgendwie enttäuscht, als ich den Beitrag zum ersten Mal gesehen habe. So schlimm scheint es ja im Gefängnis gar nicht zu sein. Ein Insasse sucht nach einem ungarischen Wörterbuch, normale Gespräche, keine Gitterstäbe, kein Lärm ... Heute - ein einige Tage später und ein paar Gedanken weiter - weiß ich, dass gerade darin offenbar die Stärke dieses Beitrages liegt. Losgelöst von jeder Art spektakulärem und unerhörten Ereignis gelingt es, den Zuschauer wirklich auf die Personen zu konzentrieren, sowohl auf ihre Taten und ihre Reflexion darüber, vor allem aber auf ihre Wünsche, Träume und Ziele. Und jeder kann sich vorstellen, dass schon der Ort des Geschehens das Projekt von allen anderen unterscheidet. In der Reflexion der eigenen Tatvergangenheit liegt der medienpädagogische Schwerpunkt des Projektes. Die Macher des Beitrages konzentrieren sich auf das, was wirklich wichtig ist – die Gefangenen werden darauf vorbereitet, nach Verbüßung ihrer Haftstrafe wieder in das normale Leben zurückzufinden. Die mit dem Projekt verbundene Stärkung des Selbstwertgefühls wird den Gefangenen helfen, den Weg in die Freiheit besser zu bewältigen. |